Tadschikistan I: Entlang der sieben Seen

Nach den Ebenen Turkmenistans und Usbekistans freuten wir uns wie wild auf Tadschikistan und seine Berge, die wir am 14. April erreichten. Die Grenze passierten wir ohne Probleme oder größere Verzögerung. In Pandschakent empfand ich es als kleinen Luxus, am Automaten Geld abzuheben, was zuletzt in Armenien möglich war. Auch eine Handykarte und ein angenehmes Mittagsrestaurant fanden wir.

Die sieben Seen

Dann machten wir uns auf den Weg zu den sieben Seen im tadschikischen Fan-Gebirge südlich von Pandschakent. Die Menschen in dieser Gegend sind, auch für tadschikische Verhältnisse, arm. Zudem vermute ich, dass sich die Besucherzahl hier seit der Grenzöffnung zwischen Usbekistan und Tadschikistan vor Pandschakent im letzten Jahr vervielfacht hat. Nirgends sonst auf unserer Reise haben wir erlebt, dass unzählig viele Kinder am Pluto nach Schokolade fragten (wir waren zum Glück ausgestattet) oder Erwachsene um Geld bettelten. Dennoch haben wir uns auch hier nicht unsicher gefühlt.

Die sieben Seen schimmern jeder in einer unterschiedlichen Farbe, von türkis bis dunkelblau, und sind enorm klar. Sie liegen herrlich in einer schroffen Berglandschaft, durch die sich der Fluss Magjandarija als Lebensader schlängelt und das Tal begrünt. Entlang des Flusses sind zahlreiche Dörfer und Höfe angesiedelt, an denen Obst und Gemüse angebaut, Schafe gehalten und mittlerweile auch Übernachtungszimmer angeboten werden. Fast alle Pfade Richtung Fluss enden an diesen Höfen oder sind mit Zäunen abgesperrt – letzteres erinnert schon fast an die Alpen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Da es sehr schroff ist, sind die Abzweigungen aus dem Haupttal meist nur Fußwege. All das machte es für uns schwierig, mit dem Pluto einsame Übernachtungsplätze zu finden.

bis zum vierten See

Der erste Teil der Strecke zu den sieben Seen war auch geprägt von unzähligen chinesischen Lastern, die uns – offensichtlich einheitlich und gut organisiert – von einer riesigen chinesischen Baustelle entgegenkamen. Insgesamt erlebten wir den chinesischen Einfluss in Tadschikistan auf unserer Reise am größten: viele chinesische Baustellen und chinesische Laster auf den Straßen, leitende chinesische Angestellte am Nebentisch in den Restaurants in Duschanbe, chinesisches Schrott-Spielzeug an jedem Kiosk. Und wir kamen dem Land, das wir bei dieser Reise nicht besuchen würden, jeden Tag näher. Ab dem Ende des Pamir Highway in Tadschikistan würden wir viele Hundert Kilometer entlang der chinesischen Grenze Richtung Norden bis ins russische Altai-Gebirge fahren.

Aber zurück zu den sieben Seen. Der Pluto war noch immer im Notlauf; wir fuhren also mit halber Kraft die Berge hoch. Die Straßen waren überraschend gut befestigt, obwohl das Frühlingswetter bereits viel Regen mit sich gebracht hatte. Mit jedem See wurden die Straßen etwas ausgesetzter und die Kurven enger. Da wir keine vielversprechenden Übernachtungsplätze fanden, fuhren wir an diesem Tag noch bis zum vierten der sieben Seen (namens Nofin). Wir stellten uns dort direkt an den See-Strand, schön aber einsehbar von mehreren kleinen Örtchen.

Schnell kamen drei einheimische Jungs auf ihren Fahrrädern vorbei. Unsere Kinder freuten sich riesig, mit den drei großen Jungs Fußball zu spielen und zu buddeln. Ich hoffe, das diese Erfahrungen den Kindern bleiben werden. Sie begegnen auf der Reise regelmäßig anderen Kindern, mit denen sie keine Sprache teilen. Aber sie merken, sie werden von diesen einheimischen Kindern freundlich und neugierig begrüßt und oft schnell ins Spiel eingebunden. Ein schöneres Willkommen kann es nicht geben.

Am nächsten Morgen noch vor unserem Frühstück sahen wir die drei Jungs übrigens die Fahrstraße bergauf zur Schule laufen.

Bis zum siebten See

Wir setzten unsere Fahrt fort und waren heilfroh, dass wir am Vorabend nach einem langen Tag keine weiteren Kilometer gemacht hatten. Die Straßen wurden immer ausgesetzter. Insbesondere entlang des sechsten Sees (namens Marguzor) war auf der Berg-Straßenseite steiler Fels mit Überhängen, auf der anderen Seite fiel der Hang steil bergab zum See. Wir waren mal wieder froh, dass der Pluto mit 2,20 Metern nicht viel breiter ist als ein VW-Bus.

Am sechsten See begegneten wir auch zum ersten Mal dem achtjährigen Hirtenjungen Rachmad. Auf seinem Esel sitzend stand er im steilen Abhang Richtung See und fragte nach Schokolade und etwas zu essen.

Nach den vielen Fahr- und Stadttagen wollten wir noch eine kleine Wanderung einlegen. Da wir nicht wussten, ob wir bis zum siebten See (namens Hazorchasma) mit dem Auto kommen würden, stellten wir den Pluto am sechsten See ab und gingen zu Fuß weiter bergan. Auf dem Weg trafen wir Rachmad wieder, dessen Familie hier wohnte. Er kam uns mit zwei Eseln entgegen und wollte unsere Kinder so zum siebten See reiten lassen – echt geschäftstüchtig, der Kleine! Wir lehnten dankend ab. Rachmad brachte die Esel nach Hause und schloss sich uns zu Fuß an.

Tatsächlich war die Straße zum siebten See kurz hinter Rachmads Haus durch einen Steinschlag versperrt und abgebrochen. Als wir den See zu Fuß erreichten, hatte es zu nieseln begonnen und wir legten nur eine kurze Vesper- und Motivationspause für die Kinder ein. Rachmad genoss die leckere Jause samt Fanta und Nachtisch-Keksen ganz offensichtlich auch. Ein Nachtlager hier oben wäre sicher ein Highlight gewesen, eignet sich aber wettermäßig besser ab Mai oder Juni. In dieser Nacht hätten wir wohl mit Schnee rechnen müssen – wir waren immerhin auf 2.400 Metern Höhe. Wir machten uns an den Abstieg.

Zurück ins Tal und nach Duschanbe

Der schönste Nachtplatz, den wir auf der Strecke (und im Voraus schon auf iOverlander) gesehen hatten, war der Strand am dritten See (namens Gushor). Wir beschlossen, noch an diesem Abend dorthin zurück zu fahren. Mitte April und bei Regen waren wir das einzige Auto hier, während es in sommerlichen Zeiten laut der iOverlader-Berichte deutlich voller ist.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zurück entlang der restlichen Seen. Wir hätten um die Seen herum gerne ein paar Pausen-Tage eingelegt. Es war jedoch klar, dass wir hier keinen einsamen Übernachtungs-Platz finden würden. Bei einem nächsten Besuch würden wir wohl auch deshalb ein anderes der Bergtäler hier im tadschikischen Fan-Gebirge erkunden. Einige davon sind so abgelegen, dass dort Schneeleoparden leben.

Auch der Pluto drängte uns zum Aufbruch: Martin hatte schon vor ein paar Tagen in einer Werkstatt in Duschanbe einen neuen Partikelfilter für den Pluto angefragt. Wir warteten recht ungeduldig auf eine Rückmeldung, um nicht den Pamir Highway ebenfalls im Notlauf bestreiten zu müssen. Wir beschlossen, gleich in die tadschikische Hauptstadt Duschanbe aufzubrechen, um das Ganze eventuell zu beschleunigen.

Die nur gut 200 Kilometer nach Duschanbe dauerten ewig – unter anderem mussten wir im Notlauf noch über einen etwa 3.000 Meter hohen Pass. Auch fuhren wir durch den über 5 Kilometer langen Anzob-Tunnel, der teilweise ohne Beleuchtung daherkommt. Nach einem langen, völlig verregneten und zehrenden Fahrtag erreichten wir am Abend des 16. April Duschanbe und waren, früher als geplant, wieder in einer Stadt.

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